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Mar 14 2019

Energica EsseEsse9 im Test: Dieses E-Bike überzeugt – SPIEGEL ONLINE, e bike versicherung.

#E #bike #versicherung


Das Aus für den Verbrennungsmotor

Wer unter E-Motorrädern nach der Spitzenklasse sucht, landet zwangsläufig bei der Energica EsseEsse9. Der Preis für das E-Bike ist nicht von Pappe – dafür braucht man kein normales Motorrad mehr.

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Der erste Eindruck: Eine gelungene Mischung aus Märklin-Metallbaukasten und Hightech-Komponenten.

Das sagt der Hersteller: Energica, der italienische Kleinserienhersteller aus Modena, hat erst im Frühjahr 2015 sein erstes Motorrad überhaupt verkauft, das Elektro-Superbike Ego. Im Herbst 2016 kam der unverkleidete Roadster Eva ins Angebot. Jetzt folgt die EsseEsse9, ein “Electric Old School-Bike”, benannt nach der alten Landstraße SS9 von Mailand nach Rimini. Das ist selbstbewusst.

“Die EsseEsse9 ist unser nächster logischer Schritt”, sagt der Entwicklungschef von Energica, Giampero Testoni, dazu. “Die technische Plattform hat sich inzwischen so bewährt, dass wir zügig Modelle auf die Schiene bringen können. Und die Old School-Interpretation eines ganz jungen E-Bikes, das hat uns sehr gereizt.”

Energica hat fast zehn Jahre in die Idee und Entwicklung von Elektromotorrädern investiert. Dass die Italiener diese Durststrecke durchgehalten haben, hat viele Beobachter überrascht. Der Grund für den Erfolg: ein gediegenes technologisches und finanzielles Hinterland: der Mutterkonzern CRP Technology, ein Spezialist für Prototypenherstellung mit 3-D-Druckern und exotischen High-End-Materialien, hält lukrative Patente.

Livia und Franco Cevolini, Tochter und Sohn des CRP-Gründers, haben Energica vor zwei Jahren an die Mailänder Börse gebracht und die Firmenkasse weiter gefüllt. “Unser Businessplan ist konservativ. 2018 wollen wir 400 Fahrzeuge verkaufen”, sagt Giampero Testoni.

Das ist uns aufgefallen: Neues E-Bike und Old School, das geht gut zusammen. Während der Design-Strich der Energica Ego noch ein traditionelles Superbike-Gewand übergestülpt hat, durfte die Phantasie bei der EsseEsse9 und beim Sondermodell S mit der gelben Plakette an der Seite volle Fahrt aufnehmen. Filigrane Speichen und schwarze Felgen statt Guss, die Offenlegung von Akku und Motor, dazu der braune Sattel in Retro-Manier und liebevolle Details wie das aus dem Vollen gefräste Aluminium-Lampengehäuse machen die Energica zu einer Fahrmaschine, die wohlwollend ins Auge sticht.

Das entscheidende Bauteil ist allerdings der überbreite, flache Lenker, das wird schon nach den ersten Metern auf der Straße klar. Als Fahrer wird man durch ihn optimal hinter den Armaturen und dem LED-Cockpit positioniert; bereit, der EsseEsse9 klare Richtungsbefehle zu geben. Die braucht es, denn leicht sind die Energicas allesamt nicht: Der Batterieblock mit einer Speicherkapazität von 11,7 kWh wiegt allein mehr als 110 Kilogramm. Insgesamt bringt die EsseEsse9 gut 280 Kilogramm auf die Waage.

Der Fahrfreude tut das Gewicht keinen Abbruch; dafür sorgten das über die Marzocchi- oder Öhlins-Gabel (nur in der S-Version oder gegen Aufpreis) gut tarierbare Chassis und der formidable E-Antrieb. Der arbeitet mit der gleichen intelligenten Steuerungstechnik, die in der Energica Ego und der Eva verbaut wird, und die zum Beispiel per Knopfdruck zum Rangieren in den Rückwärtsgang umschaltet.

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Wenn es außerhalb der Stadt vorwärts geht, sind die EsseEsse9 und ihr Elektromotor kaum zu halten. 109 PS Spitzenleistung, gepaart mit einem unglaublichen Drehmoment von 180 Nm hieven das E-Bike auf ein Leistungsniveau, auf dem man sich auch vor weitaus stärker motorisierten Verbrenner-Motorrädern nicht verstecken muss. Wenn die EsseEsse9 auf Landstraßen aus der Kurve zieht, verstummt jegliche Kritik am Power-Potenzial von Elektromotorrädern.

Nichts verändert hat sich an der Reichweite des Fahrzeugs. Energica gibt basierend auf forschen Landstraßengeschwindigkeiten einen Richtwert von etwa 140 Kilometer an, bevor die EsseEsse9 wieder ans Stromnetz muss. Da angedockt, spielt die Energica dann allerdings einen ihrer großen Vorteile gegenüber anderen E-Bikes wie etwa der ZERO aus: Schon serienmäßig haben die Italiener eine Schnellladeelektronik an Bord.

Bei der Testfahrt in Italien haben wir den Akku-Block der EsseEsse9 an einem Fast Charger innerhalb von 20 Minuten von 10 auf 85 Prozent Ladung gebracht und auch die Reichweite lag im Rahmen der Vorgaben: Nach 35 Kilometern flotter Fahrstrecke war die Ladungsanzeige um 25 Prozent gefallen. 140 Kilometer Reichweite sind also realistisch und variabel je nach wählbarem Fahrmodus Urban, Eco, Rain oder Sport.

Das muss man wissen: Kleinserie und dann auch noch Italien, das lässt bei der EsseEsse9 alte Vorurteile in Sachen Zuverlässigkeit und Qualität aufkommen. Völlig falsch. Energica hat in der Manufaktur nahe Modena hochwertige Komponenten mit einem sehr hohen Verarbeitungsniveau gepaart.

Die Premium-Verarbeitung ist auch angebracht, denn billig sind die EsseEsse9-Modelle nicht: Die Standardausführung mit Gussrädern kostet 21.600 Euro, die S-Version mit dem markanten gelb-schwarzen Namensblech und den Speichenrädern 23.240 Euro. Teuer? Energica bewegt sich bewusst in einem Premium-Preissegment, in dem ohnehin nur der Wunsch oder das Statement eine Rolle bei der Kaufentscheidung spielt.

Das werden wir nicht vergessen: Wie gebannt Passanten auf dieses seltsame Gefährt starren, welches sich lautlos anschleicht und dann mit der Geschwindigkeit und dem schrillen Pfeifen eines Kampfjets aus ihrem Blickfeld verschwindet.




Written by CAR


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